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Strategische Umweltprüfung für den Nordosten Wiens

Die Studie der MA 18 [www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/supernow/pdf/langfassung-april2003.pdf], ‪der Stadt Wien –‬ vom 19. 03.2003 wurde entfernt. Ebenso der Vortrag zu dieser Studie [www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/supernow/pdf/vortrag-hdb-april2003.pdf].

Ein Schelm der böses denkt!

Es gibt jedoch das Internetarchiv und somit ist die Langfassung und auch der Vortrag nach wie vor vorhanden. Es lohnt sich die Studie genauer zu betrachten um heraus zu finden warum die Gemeinde Wien eine weitere Verwendung nicht mehr in Betracht gezogen hat.

Auf pdf-Seite 45, Seite 41 im Bericht im „Abschnitt 7.2 Szenarienüberblick” beschrieben, welche Szenarien untersucht wurden.
„Szenario 2 Entwicklung außen” ist noch am ehesten mit dem von der Stadt Wien favorisierten Lobautunnel vergleichbar: keine A22-Verlängerung entlang der Neuen Donau, eine Querung der Lobau relativ weit außen (also nicht innen westlich der Seestadt, sondern irgendwo nahe Essling und Großenzersdorf).

Zu sehen ist dies beim Vortrag auf Folie 22, in rot (mit grünem Pfeil) die Lobauautobahn als "Szenario 2" (nicht verwechseln mit Szenario 2a, Folie 24, das ist völlig anders, A22 Verlängerung und innen liegende Lobauautobahn)

Auf pdf-Seite 135 (ist Seite 131 im Bericht) beginnt im Abschnitt "8.5 Kommentar zu diskutierten Szenariovarianten".
(Hier wird übrigens von der "neu in die Planung hinzugekommenen" B3d geschrieben - dies ist der alte Name für die heutige "Stadtstraße", dies nur zur Info - Szenario 4 hat aber keine Lobauquerung, sondern Öffi-Ausbau)

Jetzt wird´s spannend:
Unten im Absatz "Raum und Wirtschaftsentwicklung" wird explizit gesagt, dass der Bau der B3d (also der Stadtstraße, die damals eventuell noch 2- statt 4-spurig angedacht war) eine Überlastung der A23 Südosttangente, beispielsweise im Stadlauer Tunnel, auslösen könnte. Diese Aussage ist der Stadt Wien definitiv nicht recht, ein erster Grund, die Studie verschwinden zu lassen.

So richtig spannend wird es aber bei der Tabelle auf pdf-Seite 141 (Seite 137 im Dokument), Punkt 9 "Zusammenfassung":

Die Variante 2, die also eine eher außen liegende S1 vorsieht, also ungefähr das derzeit von der Stadtregierung propagierte Projekt, schneidet bei so gut wie fast allen Parametern am Schlechtesten ab!!!!!!!!!!
Überall am Schlechtesten: Verkehrsvermeidung, Lebensqualität, Infrastrukturkosten, CO2-Verminderung (Kyoto-Ziel), Reduktion Luftschadstoffe und Lärm, Grundwasserschutz, Verkehrsvermeidung, Modal Split

Auf pdf-Seite 142 (Bericht-Seite 138) heißt es dann wörtlich:
"Szenario 2 weist insgesamt die schlechtesten Ergebnisse in den Bereichen Umwelt und Raum auf. Die Verkehrsleistungen fallen innerhalb des engeren Untersuchungsbereiches zwar etwas besser als in Szenario 2a aus, es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass aufgrund der größeren „Außenwirkung“ der Straßeninfrastruktur ein erheblicher Teil der Einwohner- und Arbeitsplatzzunahme und somit der Verkehrsleistung und Emissionen außerhalb anfällt und die Werte in einem weiteren Untersuchungsraum noch schlechter als ausgewiesen ausfallen."

Unter Punkt 10.1 wird zwar prinzipiell eine weitere Straßen(also Autobahn)querung der Donau gefordert, auf der folgenden Seite (pdf-Seite 144, Berichtseite 140) heißt es dann aber wörtlich:
"Eine Nordostumfahrung Wiens entlang der Stadtgrenze würde dem Zielen einer kompakten Stadt klar widersprechen und demgegenüber die weitere Zersiedlung fördern."
"Die Folge einer „spread-Entwicklung“ im Nordosten Wiens wäre die weitere Abnahme der Versorgungsqualität der alten Bezirkszentren und die weitere Ansiedlung von Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“. Die Entwicklung des Flugfeldes Aspern zu einem voll ausgestatteten Stadtteil würde dadurch erschwert."


Auf pdf-Seite 147, Berichtseite 143, heißt es ganz unten wörtlich:
"Eine zusätzliche Donauquerung samt Anbindung zu beiden Seiten der Donau bringt Entlastungen für das bestehende hochrangige und für das nachrangige Straßennetz (v.a. in Ortsdurchfahrten, Geschäftsstraßen usw.). Demgegenüber muss angeführt werden, dass mit dem Angebot einer zusätzlichen Donauquerung ein wesentlicher limitierender Faktor im Verkehrsnetz von Wien wegfällt und es insgesamt zu einer Steigerung des Verkehrsaufkommens kommen wird. Damit das gesteigerte Verkehrsaufkommen nicht sofort wieder zu einer Überlastung der neu geschaffenen Infrastruktur und letztlich in einer verschlechterten Erreichbarkeit des Wirtschaftsstandortes mündet, muss gegengesteuert werden."

Weiters:
"Demgegenüber wären neu aufgeschlossene Gebiete entlang einer an der Stadtgrenze verlaufenden Umfahrung nur schwer bzw. nur mit hohem finanziellen Aufwand durch den öffentlichen Verkehr erschließbar. Die neuen Einkaufs-, Gewerbe- und letztlich auch Wohngebiete würden daher aller Voraussicht nach Auto orientiert entwickelt werden. Der Nichtmotorisierte Verkehr könnte in den neuen Stadtrandvierteln seine Bedeutung nur ungenügend ausspielen. In Folge der weiteren Zersiedlungstendenzen und der mangelnden Versorgungsmöglichkeit mit dem ÖV würde die Verkehrsleistung im Straßenverkehr weiter steigen. Damit einhergehend würde sich auch die Umweltsituation verschlechtern. Daher ist dem Bau einer zentrennahen Trasse eindeutig der Vorzug gegenüber einer peripheren Trasse zu geben."

Es wird also zwar schon irgendwie eine Lobauautobahn gefordert, jedoch die aktuell von Wien propagierte Trasse als EXTREM schlecht bewertet, mit enorm großen schädlichen Auswirkungen.

Diese schädlichen Auswirkungen sind zweifellos der Grund, warum die Stadt Wien die Strategische Umweltprüfung für den Nordosten Wiens aus dem Internet genommen hat.